3.11.

Bosna Quilts – Textilkunst über Grenzen hinweg

03.11.2022, 18:00 - 19:00

Museumsgespräch mit Lucia Lienhard-Giesinger

Die Bosna Quilt Werkstatt ist 1993 in der Zeit des Bosnienkriegs entstanden. Im Rahmen einer Initiative, die bosnische Flüchtlingsfrauen mit Vorarlberger Künstlerinnen zusammenbrachte, entwarf Lucia Lienhard-Giesinger moderne Quilts, die von den bosnischen Frauen nach ihren Vorstellungen gesteppt wurden. So entstanden in einer Garage des Flüchtlingsheims Galina bei Feldkirch die ersten Bosna Quilts.

Als die Bosnierinnen nach Ende des Krieges in ihre Heimat zurückkehrten, wollten sie die Arbeit fortführen. Seither werden die Quilts in Vorarlberg entworfen und in Bosnien übernäht: Textilkunst über Grenzen hinweg. Elf Familien haben damit ein regelmäßiges Einkommen.

Mittlerweile hängen zahlreiche Bosna Quilts in privaten Wohnungen und in öffentlichen Gebäuden. Und halten hundertfach die Erinnerung daran wach, dass es möglich ist, Menschen in Notsituationen eine Lebensperspektive zu geben, die trägt.

Bosna Quilt Werkstatt

Bosna Quilt

Es war im Jahre 1993, als im Flüchtlingsheim Galina in Vorarlberg die ersten Bosna Quilts genäht wurden.

Bosnien war im Krieg, und viele Flüchtlinge fanden Schutz in Österreich. In der Nähe von Feldkirch wurde eine ehemalige Kaserne zum Flüchtlingsheim. Auf Initiative einer Psychologin wollte eine Gruppe von Vorarlberger Künstlerinnen etwas tun gegen die Hoffnungslosigkeit der Flüchtlingsfrauen im Heim. Sie bot den Frauen an, mit ihnen handwerklich und künstlerisch zu arbeiten. Lucia Lienhard-Giesinger war eine dieser Künstlerinnen. Eigentlich war sie Malerin, aber mit den bosnischen Frauen wollte sie etwas machen, das für alle neu war. So entwarf sie ihre ersten Quilts. In einer leer stehenden Garage traf man sich. Man verständigte sich mit Händen und Füßen. Die Frauen mochten die neue Arbeit. Auch deshalb, weil sie sie in ihren engen Schlafräumen mit den Etagenbetten weiterführen konnten. Aber gleichzeitig auch, weil sie es ihnen ermöglichte, der Enge ihres Zimmers und der Eintönigkeit des Heimalltags zu entfliehen. Zwischen 20 und 30 Frauen nähten in wechselnder Zusammensetzung mit.

Was eigentlich als zeitlich begrenztes Projekt gedacht war, wurde zur Bosna Quilt Werkstatt, in der kontinuierlich gearbeitet wurde. Es gab erste Ausstellungen.

Ende 1995 wurde in Bosnien ein labiler Friede vereinbart. Ab 1996 kehrten die Flüchtlinge nach Bosnien zurück. Safira Hošo und Vesna Malokas waren zwei Rückkehrerinnen, die sich in ihrer zerstörten Heimat wieder zurechtfinden mussten. Für Safira war es unvorstellbar, dass es nun mit dem Quiltnähen zu Ende sei. Und obwohl anfangs niemand daran glaubte, wurde die bosnische Quilt-Werkstatt Wirklichkeit. Safira Hošo fand zehn Frauen, die den Krieg zuhause überlebt hatten, und leitete sie im Nähen an. Seit September 1998 ist sie die Leiterin der Bosna Quilt Werkstatt in Goražde, zwei Autostunden südöstlich von Sarajevo.

Bosna Quilts werden seither am Bodensee entworfen und an der Drina in Bosnien genäht. Die Frauen arbeiten zuhause, am Küchentisch oder im Garten. Unmittelbar nachdem die Frauen ihren Quilt fertiggestellt haben, werden sie für ihre Arbeit bezahlt, unabhängig davon, ob er verkauft werden kann oder nicht. So können sie auf ein regelmäßiges Einkommen zählen, das ihren Familien eine gewisse wirtschaftliche Sicherheit gibt.

In Bregenz bestimmt Lucia Lienhard-Giesinger Farben und Formen. Sie tut dies direkt mit den Stoffen, die sie am Boden auslegt und so lange verschiebt und variiert, bis die Gestaltung stimmt. Dann fixiert sie die Stoffe mit Stecknadeln.

In Goražde werden zuerst die Farbflächen mit der Maschine vernäht. Welche Linien und Muster die Frauen quilten, darin sind sie frei. Sie «beschreiben» die Farbflächen in ihrer ganz persönlichen Handschrift. So ist jeder Bosna Quilt ein Unikat, ein Gemeinschaftswerk zweier Frauen.

 


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