Projekte

Das Textilmuseum beteiligt sich an nationalen und internationalen Forschungsprojekten, die sich mit textilhistorischen, sozial- und industriegeschichtlichen Fragestellungen befassen. Darüber hinaus intiiert das Museum Archivierungs- und Inventarisierungsprojekte und veröffentlicht regelmässig Fachpublikationen. Wir danken unseren Partnern und Förderern, die uns bei der wissenschaftlichen Arbeit unterstützen.

Printing Identities. Glocal Textiles aus Glarus und Vorarlberg, zirka 1830 – 1990

Textilproduzenten aus Glarus und Vorarlberg waren und sind bekannt für die Herstellung bedruckter Stoffe für den lokalen und internationalen Markt. Das Projekt „Printing Identities» legt erste Grundlagen für die Entwicklung eines vergleichenden, grösseren Forschungsprojekts zur Aufarbeitung wichtiger Kapitel der gemeinsamen textilen Vergangenheit in Vorarlberg und in Glarus.

Die Betrachtungen setzen bei den Musterbüchern der Firma Franz M. Rhomberg im Stadtmuseum Dornbirn an. Ergänzend werden die von Adolf Jenny-Trümpy (Glarus) zusammengestellten Musterbücher des Textilmuseums St. Gallen hinzugezogen. Im Rahmen des Projekts wird ein Teil der Stoffmuster erfasst und der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Des Weiteren wird der historische Kontext zu deren Entstehung, Verbreitung und Herkunft beleuchtet. Den Ausgangspunkt der Diskussion bilden Phänomene wie Kulturtransfer und Identitätsproblematiken nicht nur zwischen der Schweiz und Österreich, sondern, in einem weiteren Schritt, auch zwischen diesen beiden Regionen und ihren textilen Absatzmärkten um den Erdball.
Ziel des Vorprojekts ist ein Wissenstransfer in beide Richtungen und die Stärkung des kulturhistorischen Bewusstseins für textile Materialien zu schaffen.

                         

Übernahme der Seidenarchive der Firmen Gessner AG, Robt. Schwarzenbach & Co AG und Weisbrod-Zürrer AG / Textilmuseum St.Gallen, Hochschule Luzern Design & Kunst

Drei der wichtigsten Seidenarchive der Schweiz – Gessner AG, Robt. Schwarzenbach & Co AG, und Weisbrod-Zürrer AG – wurden in ausgesuchten Teilen in die Sammlung des Textilmuseums St. Gallen integriert und damit einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ein kleinerer Bestand von Liassen mit textilen Mustern wurde in das Silk Memory Project der Hochschule Luzern Design & Kunst aufgenommen.

Dieses hochrelevante materielle Erbe, das die Entwicklung der Seidenweberei des 19. und speziell des 20. Jahrhunderts in der Schweiz dokumentiert, wird damit für die Nachwelt bewahrt und der Wissenschafts- und Designwelt zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung gestellt. Die Archive umfassen Liassen von Mode- und Innenausstattungsstoffen, Dokumentationsmaterial und Musterbücher, die einen repräsentativen Querschnitt durch die Produktion dieser ungemein wichtigen Firmen der Zürcher Seidenweberei geben. Das Textilmuseum St. Gallen ist als Archivar des kulturellen Erbes der textilen, kunsthistorischen und industriellen Entwicklungen der ideale Ort dafür. Im Rahmen des Silk Memory Projects stehen die Stoffe der weiteren kreativen Verarbeitung zur Verfügung und können über die Online-Datenbank abgerufen werden. Dauer: Herbst 2017 bis Dezember 2018

Ein Universum voller Muster – Musterbücher im industriellen Kontext des 19. und 20. Jahrhunderts

Gemeinsam mit der Hochschule Luzern Design & Kunst veranstaltete das Textilmuseum St. Gallen am 9. und 10. März 2018 eine Tagung, der ausgewählte Facetten des Themas des textilen Musterbuchs im 19. und 20. Jahrhundert ins Zentrum stellte. Bestände dieser Art bringen Chancen und Herausforderungen mit sich, die im Rahmen dieser Veranstaltung beleuchtet wurden. Das Textilmuseum St. Gallen selbst besitzt schweizweit eine der beeindruckendsten Sammlungen dieser wichtigen Dokumente.

Bereiche, die angesprochen wurden, beschränken sich nicht nur auf Musterbücher und ihr Leben im heutigen musealen Kontext; es interessierte uns auch ihre Systematik, Bedeutung und Verwendung innerhalb der industrialisierten Textilfabriken des 19. und 20. Jahrhunderts zu beleuchten. Zusätzlich zu den innerhalb der Firmen zusammengestellten und verwendeten Musterbüchern warfen wir einen Blick auf die Rolle von Musterbüchern, die von diesen Firmen zugekauft wurden, etwa Konkurrenz- oder Abonnement Musterbücher.  Neben den internationalen Vortragenden, besuchten ca. 80 Interessierte aus drei Ländern die Konferenz. Tagung im Textilmuseum St. Gallen, 9./10. März 2018

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Aufarbeitung des Archivs der Textilfirma Baerlocher & Co

Im Herbst 2015 kommt das Firmenarchiv Baerlocher & Co. als Schenkung der Familie an das Textilmuseum St. Gallen. Die Muster, Entwurfszeichnungen, Vorlagen und Musterbücher bieten einen Querschnitt durch die Produktion des Betriebes von seinen Anfängen 1868 bis zu seiner Schliessung Ende des 20. Jahrhunderts. Die Produktpalette veränderte sich im Lauf der Zeit und bildet eindrücklich die mannigfaltigen Strategien zur Überwindung der diversen Wirtschaftskrisen ab: Konzentriert sich die Produktion zu Beginn auf Kettenstich-Stickereien vor allem für Vorhänge, wird in den 1920er-Jahren auf gewobene Gardinen umgestellt. Dann werden Kleiderstoffe, technische Gewebe und Taschentücher hergestellt. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs bricht der Export ein und man erweitert das Sortiment um Regenmäntel und Skibekleidung für den Inlandsmarkt. Mit Aufschwung des Aussenhandels nach 1945 erfolgt zusätzlich die Herstellung von Feingeweben für Wäsche, bedruckten und buntgewobenen Batisten und Hemdenstoffe für Übersee.

Nach einer Triage des Materials im Vorfeld erfolgt 2016 die Inventarisierung und Bearbeitung des immer noch fast 200 Archivboxen umfassenden Bestandes. Die für 2017 geplante neue Ausstellung zur Textilgeschichte der Ostschweiz baut massgeblich auf dem Firmenarchiv Baerlocher auf und gibt Einblick in eine Firma, die zu Ihren Glanzzeiten zu den besten Stickereiproduzenten der Schweiz zählte.

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Inventarisierung historischer Gewebe

Die Sammlung historischer Gewebe am Textilmuseum St. Gallen umfasst insgesamt rund 3.500 Objekte von hochwertigen Mustern des Mittelalters bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Von Beginn an betreibt das Museum den Aufbau der Gewebe-Sammlung systematisch, und erwirbt sowohl historische als auch zeitgenössische Musterstücke: 1883 kauft es ein grosses Konvolut historischer Gewebe aus dem Besitz Friedrich Fischbachs. Knapp 20 Jahre später kommen durch die Schenkung Leopold Iklés weitere Stücke ans Haus. Die Ankäufe der Sammlungen John Jacoby (1954) und Charlotte Bing-Hübner (1976) runden den Bestand ab. Einen weiteren wichtigen Zugang stellt die Schenkung der Firmensammlung Grauer Frey im Jahr 1983 dar. Zehn Jahre später schenkt die Schweizerische Textilfachschule (STF) dem Textilmuseum St. Gallen die 1.800 Objekte umfassende Studiensammlung der Seidenwebschule Zürich.

Ziel des Projektes ist es, zwischen Sommer 2016 und Herbst 2018 alle Gewebe digital zu erfassen und zu bearbeiten. Eine repräsentative Auswahl wird in den Online-Katalog auf der Homepage des Museums aufgenommen, die Sammlung der Seidenwebschule zusätzlich in die Datenbank des Silk Memory Projektes der Hochschule Luzern /Textildesign eingespielt. Ermöglicht wurde das Projekt durch die Unterstützung von Seiten der Zürcher Seidenindustriegesellschaft, der Metrohm Stiftung, der Steinegg Stiftung, der Vontobel Stiftung und der Hans und Wilma Stutz Stiftung. 

       

Inventarisierung historischer Spitzen

Die Sammlung historischer Spitzen am Textilmuseum St. Gallen zählt zu einem der bedeutendsten Bestände weltweit. Sie umfasst rund 6.500 Objekte. Mit hochkarätigen Beispielen vertreten sind die wichtigsten Zentren der europäischen Spitzenproduktion wie Italien, Holland, Belgien, Deutschland und Frankreich. Die Sammlung umfasst alle Techniken der Handspitzen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert und gibt einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der Spitzenproduktion. Ihre Bedeutung liegt aber auch darin, dass sie als Vorlage für die in der Zeit um 1900 als „St.Galler Spitze“ vermarktete Maschinenstickerei dient. Der Siegeszug der Ostschweizer Textilindustrie wäre ohne diese Vorlagen nicht möglich gewesen handelt es sich bei der „St. Galler Spitze“ doch zum Teil um detailgetreue Kopien historischer Spitzen auf der Schifflistickmaschine. Die Spitzen stammen aus Firmenarchiven und von Sammlern wie Isidor Grauer Frey, Otto Alder, Leopold Iklé oder John Jacoby. 1976 wird die Sammlung der deutsch-schweizerischen Textilexpertin Charlotte Bing Hübner angekauft und seit 1963 befindet sich die Sammlung von Carolina Maraini-Sommaruga als Depositum des Bundes im Textilmuseum St. Gallen.

Ziel ist es, zwischen Sommer 2016 und Herbst 2018 alle Spitzen digital zu erfassen und zu bearbeiten. Eine repräsentative Auswahl wird in den Online-Katalog auf der Homepage des Museums aufgenommen. 2018 werden die Ergebnisse des Projektes in einer Ausstellung vorgestellt. Das Projekt wird mit Unterstützung der Stiftung Ostschweizerische Stickfachschule St.Gallen, der Iklé Frischknecht Stiftung, der Sophie und Karl Binding Stiftung und der Kulturförderung des Kantons St. Gallen durchgeführt.

   Einfaches CMYK   Sophie und Karl Binding Stiftung

Erfassung des Fritz Rau-Archivs

1988 erhält das Textilmuseum St. Gallen das Textil-Archiv der Firma Fritz Rau & Co. Es belegt die Produktion dieses wichtigen Ostschweizer Produzenten für den Zeitraum 1900-1947. Der Bestand dokumentiert exemplarisch die Hochblüte, Krise und Neuorientierung der örtlichen Textilindustrie und die Neuorientierung der Branche nach 1930: Die Firma, gegründet knapp nach 1900, produzierte zu Beginn Stickereien für die Haute Couture in Rom, Paris und New York. Dann erfolgte die Umorientierung auf Weissstickereien für den Wäschebereich. Der Betrieb steht also für die beiden für die Ostschweiz wichtigsten Textilprodukte. Das Rau-Archiv besteht aus rund 7.200 Laschen mit 20.000 Mustern von Maschinenstickerei hervorragender Qualität, Geschäftsunterlagen, und Photos. Sie werden jetzt Schritt für Schritt digitalisiert und bearbeitet und die Ergebnisse des Projektes öffentlich zugänglich gemacht. Mit freundlicher Unterstützung der Dr. Fred Styger Stiftung Herisau, der UBS Stiftung und der Kulturförderung des Kanton St.Gallens. 

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Kompetenzzentrum Leopold Iklé

Das Textilmuseum St. Gallen hat eine Dokumentationsstelle der international vorhandenen Informationen zur weltweit bekannten Sammlungstätigkeit Leopold Iklés (1838-1922) errichtet. Dank der grosszügigen Unterstützung der Iklé-Frischknecht-Stiftung konnte 2007 mit der Realisierung dieses Projektes begonnen werden.

Als St. Galler Stickereifabrikant kaufte Leopold Iklé anfänglich textile  Vorlagen für die Produktion seiner Firma. Aus diesem zweckorientierten Zusammentragen entwickelte er sich zum profunden Kenner und leidenschaftlichen Sammler historischer Textilien. Den ersten Teil seiner Sammlung schenkte er 1904 dem damaligen Industrie- und Gewerbemuseum (heute Textilmuseum). Iklé setzte seine Sammlungstätigkeit jedoch fort und baute eine weitere Sammlung auf. Nach Iklés Tod wurde der Grossteil dieser zweiten Sammlung 1923 im Zunfthaus zur Meise, Zürich, versteigert und im Auktionskatalog publiziert. Die Sammlung wurde an Privatsammler und Museen verkauft und zerstreute sich in die ganze Welt. Leopold Iklés Neffe, John Jacoby (1869-1953) ersteigerte die Mehrheit der damals angebotenen Textilien, welche das Textilmuseum 1955 wiederum erwerben konnte. Im Inventar des Kompetenzzentrums sind unterdessen 940 Objekte dieser zweiten Sammlung Iklés, welche sich heute nicht im Textilmuseum St. Gallen befinden, erfasst. Soweit bekannt, ist auch der Sammlungsnachweis aufgeführt. Im Inventar des museumseigenen Bestandes sind zur Zeit 1350 Objekte der ersten und zweiten Sammlung Iklés digital erfasst. Ziel ist, diese Daten des Kompetenzzentrums via  Internet der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dieses Projekt wird mit freundlicher Unterstützung der Iklé-Frischknecht Stiftung realisiert. 

Silk Memory

Die Hochschule Luzern – Design & Kunst arbeitet seit 2012 mit finanzieller Unterstützung der Zürcherischen Seidenindustrie-Gesellschaft (ZSIG) im Rahmen des Projektes Silk Memory am Aufbau eines digitalen Textilarchivs. Es dient Forschenden, Studierenden und DesignerInnen als Recherchetool und gibt gleichzeitig Einblick in die Kreativität und Produktivität von Textilentwerfern der letzten 150 Jahre. Die Datenbank lässt die gezielte Suche zu unterschiedlichsten Mustern und Motiven zu.

Das Textilmuseum St. Gallen beteiligt sich an dem Projekt mit ausgewählten Seidenstoffe, die einst Teil der Vorlagensammlung der Seidenwebschule Zürich waren und vor 20 Jahren dem Museum geschenkt wurden.

Zagai-hihô – Hidden Treasures outside East Asia

Das Textilmuseum St. Gallen beteiligt sich seit 2014 an dem von Prof. Hans B. Thomsen, Kunstgeschichte Ostasiens, Universität Zürich, initiierten Projekt Zagai-hihô – Hidden Treasures outside East Asia. Ziel des Projektes ist es, Objekte aus China, Korea und Japan, die sich in Schweizer Sammlungen befinden, online zugänglich zu machen. 65o Objekte aus der Sammlung des Textilmuseums werden erstmals systematisch aufgearbeitet und die Daten in die Projektdatenbank einfliessen. Als Vorlagensammlung zeigt der St. Galler Bestand ein schweizweit einzigartiges Profil, da auch zahlreiche Hybride, in denen westliche Einflüsse nachweisbar sind, enthalten sind. Erfasst werden die wichtigsten Daten wie Herstellungsland, ursprünglicher Besitzer, Datierung und Technik. Ergänzend wird eine kurze Beschreibung der Objekte verfasst, die Angaben zur Motivik und Symbolik beinhaltet. Erste Ergebnisse der Untersuchung wurden bereits in der Ausstellung Kirschblüte & Edelweiss Der Import des Exotischen gezeigt und im gleichnamigen Ausstellungsbegleitband, erschienen bei Hier und Jetzt, publiziert.

Im Rahmen des Projektes Zagai-hihô arbeitet das Textilmuseum St. Gallen mit Experten aus Japan, Deutschland und Kanada zusammen. Kooperationspartner: Kunstmuseum der Provinz Mie, Nationalmuseum für japanische Geschichte, Universität Kyoto, Kyoto Costume Institute, Universität Tokyo, Walter Bruno Brix (Köln), Universität Toronto.

Universität Zürich

Friedrich Fischbach in St. Gallen

Der gebürtige Deutsche Friedrich Fischbach (1839 – 1908) nahm mit seinen Vorlagenwerken, allen voran dem Tafelwerk «Ornamente der Gewebe», massgeblich Einfluss auf die Entwicklung des Textildesigns am Ende des 19. Jahrhunderts. Er absolvierte an der Akademie für Industriedesign in Berlin die Ausbildung zum Textilentwerfer. Ab 1862 arbeitete er in Wien unter anderem für das Museum für Industrie und Gewerbe (heute MAK Museum für Angewandte Kunst). Danach übersiedelte er nach Hanau und unterrichtete dort an der Königlichen Akademie. Zwischen 1883 und 1888 leitete er Zeichnungsschule in St. Gallen, wo er das Ausbildungscurriculum für Textilentwerfer um Spezialkurse und um Unterricht in Ornamentik und Stillehre erweiterte.    Im Laufe der Jahre hatte Fischbach eine umfangreiche Sammlung von Textilien angelegt. Sie bildete die Basis seiner Vorlagenwerke, deren Ziel es war, zu guten, zeitgenössischen Entwürfen anzuregen, die von mittelalterlichen Entwürfen inspiriert sein sollten. Diese Gewebesammlung verkaufte er 1883 dem Textilmuseum St. Gallen. Weitere Stücke kamen nach seinem Tod an das Metropolitan Museum in New York. Weder über die Begleitumstände des Ankaufs, der einen wichtigen Sammlungsbestand des Textilmuseums bildet, noch über Fischbachs Tätigkeit als Lehrer in St. Gallen ist bisher viel bekannt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes werden nun die Akten des Kaufmännischen Directoriums aufgearbeitet, mit dem Ziel, den Lehrer und Sammler Friedrich Fischbach in seiner St. Galler Zeit greifbar zu machen.