StGall, Textilgeschichten aus acht Jahrhunderten

Die sinnliche Show der Sonderausstellung StGall führt durch fünf Spitzen- und Stickereijahrhunderte und macht die textilen Kostbarkeiten mit Poesie erlebbar.

Die Gastkuratoren und Szenografen sind ein Dream Team. Der renommierte St. Galler Stoff Designer Martin Leuthold und der Luzerner Textil Designer und Kostümbildner Bernhard Duss faszinieren mit einer kreativen Szenografie. Kuratorisch haben sie die Epochen der Spitzengeschichte in die Bereiche INSPIRATION , INTERPRETATION und INNOVATION gegliedert; wissenschaftlich unterstützt von der Museumskuratorin Ursula Karbacher.

INSPIRATION Die von den St. Gallern aus ganz Europa zusammengetragenen Klöppel- und Nadelspitzen zählen zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen. In der Renaissance- und Barockzeit repräsentierten sie den grössten Luxus für die Dekoration der Frauen- und Herrenbekleidung, vor allem für den Hochadel.

Die St. Galler hatten visionäre Ideen und nutzten die Spitzen als Inspiration für ihre eigenen Handstickereien. Gleichzeitig wuchs der Traum, diesen Luxus zu industrialisieren und damit einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Die Zeit der technischen Tüftelei setzte ein und führte dank dem Ostschweizer Erfindergeist zur Entwicklung der ersten Handstickmaschine, gefolgt von der nachfolgenden Konstruktion der Schifflistickmaschine.

INTERPRETATION Die durch die St. Galler Industrialisierung ausgelöste Kapazitätserweiterung formulierte neue Bedürfnisse. Die weltweite Distribution löste einen einzigartigen Boom aus und machte sich im modischen Erfolg mit einem immensen Absatz bemerkbar. 1881/82 erfanden die hiesigen Textiler die ‹St. Galler Spitze›. Jene Stickerei, welche die handgefertigten europäischen Spitzen perfekt imitierte und sich schnell zu einer eigenständigen und begehrten Stickereivariante – bekannt unter dem Namen ‹Guipure› – entwickelte. Aufgrund ihres Herstellungsprozesses wird sie auch Ätz-Stickerei genannt.

INNOVATION Auf der ganzen Welt werden derzeit Stickerei- und Textilmaschinen aufgestellt. Die gesamte Schweizer Textilindustrie und mit ihr die St. Galler Fabrikanten stehen vor jenen Themen, die sozusagen im Jahrhunderttakt wiederkehren: es wird Neues erwartet. Preis und modische Tendenzen sind die Herausforderung.  Mit ihrem Erfindergeist, ihrer Pionierhaltung, ihrer Kreativität und dem über Jahrhunderte gewachsenen Fachwissen werden sie auch im digitalen Zeitalter der Welt eine Nasenlänge voraus sein und frühzeitig die Bedürfnisse in der Mode und anderen Sparten mit visionären Ideen umsetzen.

Eine mögliche innovative Neuausrichtung zeigt die Lounge von StGall mit ihrem einzigartigen Spitzenteppich und der Spitzentapete. Während die Besucher auf den facettenreichen, mehrschichtig komponierten Spitzen sitzen, schafft die dunkelblaue Nachttapete eine ruhige Atmosphäre, die anregt, über das neue, bevorstehende Textilzeitalter zu philosophieren.

Die Ausstellung StGall kam zustande dank der grosszügigen Unterstützung von: St. Galler Kantonalbank, Swiss Textiles, Kulturförderung Kanton St. Gallen, Swisslos, Tagblatt und Stadt St. Gallen.

 

26. März 2011 - 31. Januar 2012