Die Spitzen der Gesellschaft

Innovation und Vernetzung vom 16. bis 18. Jahrhundert

Die Entwicklung der Klöppel- und Nadelspitzen zählen zu den wichtigsten Innovationen Europas der frühen Neuzeit. Die meisten technischen Errungenschaften des Textilbereiches waren bis dato aus dem Osten übernommen worden – die Spitze war eine hauptsächlich von Frauen entwickelte Technik, die von Italien ausgehend die Mode der europäischen Eliten eroberte. Die Produktion von Spitzen revolutionierte jedoch nicht nur die Mode der oberen Gesellschaftsklassen, sondern auch die soziale Stellung zehntausender Frauen, die sie in Heimarbeit produzierten, und zudem war sie ein treibender Faktor der Industrialisierung.

Die Ausstellung folgt der Entwicklung der Spitze im Kontext der streng regulierten höfischen Mode von den Anfängen im 15. Jahrhundert bis Ende des 18. Jahrhunderts, als Änderungen im Geschmack, die beginnende Industrialisierung und speziell die Französische Revolution dramatische Auswirkungen auf die Spitzenproduktion hatten. Kleiderordnungen kontrollierten die Mode bis ins 18. Jahrhundert und somit die Verwendung von Spitzen.

Es ist heute schwierig, einzelne Stücke bestimmten Produktionszentren in Italien, den Niederlanden oder Frankreich zuzuschreiben. Die Ausstellung wählt daher den Blickwinkel des höfischen Umfelds als geschmackgebenden Konsumenten, der die Mode dominierte und formte: das habsburgische Spanien (16. bis Mitte 17. Jh.) und das bourbonische Frankreich (Mitte 17. bis Ende 18. Jh.).

Kuratorin: Barbara Karl

26. Oktober 2018 - 10. Februar 2019